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Das Mittelalter holt mich ein.

Mir hats ja schon lange in den Fingern gejuckt mal was Historisches zu nähen. Als wir dann beschlossen haben, auf den Mittelaltermarkt in Oranienburg zu gehen, hatte ich dann einfach mal so im Netz geschaut, was sich da so als Inspiration auftut. Jede Menge. Und das hat Anika mitbekommen. Mittwoch hat sie mich drauf angesprochen und wir beschlossen nach besserer Recherche passende Gewänder zu nähen. Ich war sehr skeptisch, weil es klar war, dass die Gewänder nicht mehr fertig werden würden. Ana meinte nur, dass das ja kein Problem sei. Sie hatte auf jeden Fall insofern Recht, dass selbst dieses Jahr noch jede Menge Mittelaltermärkte stattfinden.

Zuhause dann mal Bücher gewälzt; durch's Internet geforstet. Entschieden haben wir uns jeweils für Cotte und Surcot.

Mehr oder minder haben sich alle Schnitte im Netz (authentisch) sehr geähnelt. So haben wir rausbekommen, dass  Cotten normalerweise Schlupfkleider waren, die außer einem Ausschnitt keine seitlichen oder hinteren  Öffnungen aufweisen. Dann haben wir uns grob orientiert an Abbildungen aus dem Buch und den dazugehörigen Jahreszahlen. Im Netz haben wir die dann verglichen mit den Stoff- und Farbempfehlungen für die entsprechende Zeit. Am gleichen Tag noch gingen wir dann Stoff kaufen. Für 2 Kleider, weil ja auch 2 Mädchen.

Mein Kleid: Cotte (Unterkleid): hellblaue Baumwolle mit sporadischen dickeren Fäden: 6m Surcot:dunkelblaue Baumwolle: 4m

Anikas Kleid: Cotte: die gleiche dunkelblaue Baumwolle: 4m                                      
Surcot: rote Baumwoll-Leinen-Mischung: 2m

 Materialauswahl

Mit Garn und Schrägband: 90€

Im Grunde haben wir so angefangen, dass wir uns ausgemessen haben und die Daten dann auf den Stoff im Bruch übertragen haben. Ich habe mal eine Skizze dazu gemacht.

Skizze für den Zuschnitt

Bei Anika haben wir festgestellt, dass sie das Kleid nicht anbekommen wird ohne Öffnung, daher haben wir die Taile wenigstens so breit gemacht, dass sie das Kleid über die Schultern bekommt.

Bei mir war das nicht so nötig Ich ziehe das Kleid über den Kopf und es macht "pfüht" und sitzt.

Das haben wir dann ausgeschnitten, so hatten wir dann jeweils eine Vorderseite. Die haben wir dann mal angehalten

Sieht doch schon ganz gut aus!

und pi mal Daumen festgestellt, dass es wohl besser wäre am hinteren Teil zur Vorsicht noch etwas mehr zuzugeben.

So haben wir das dann auch gemacht. Das ausgeschnittene Vorderteil auf den neuen Stoffbruch gelegt und mit mehr Zugabe rundherum wieder ausgeschnitten.

In mein Kleid sollten jeweils vorn und hinten in der Mitte ab der Hüfte Geren, zwecks Rockerweiterung.

Bei Anikas Cotte haben wir die Rockerweiterung erst ab dem Knie gemacht. Ich war erstaunt wie schön das aussieht.

Also wird der Stoffbruch bis zur entsprechenden Stelle aufgeschnitten.

Da kommt die Gere rein

Der Schnitt wird ausgemessen und mit Zugabe als Länge für die Geren genommen.  Als Breite habe ich genommen, was der Stoff hergab. Wenn ich noch mal eine Cotte mache, dann würde ich sicherlich nicht in die Mitte eine Gere machen, sondern so wie bei Anika je 2 Geren vorn und hinten. Irgendwie scheint das dem Auge mehr zu schmeicheln.

Dann die Geren aufgemalt, ausgeschnitten und eingesetzt.

 Gere

Blödes Gefummel aber auch. Gerade wenn da keine Naht ist, sondern einfach nur so Stoff.

Danach werden die Ärmel "produziert". Die bestehen eigentlich nur aus einem Rechteck,

 Unser Ärmelschnitt

 bei dem unter dem Arm noch an der Achsel ein Dreieck

 Gere

 eingesetzt ist. Die Ärmelnaht soll hinten verlaufen, also zwischen Schulternaht und Seitennaht hinten. Sie ist sichtbar wenn man den Arm einfach hängen läßt. Das untere Ende der Naht haben wir offen gelassen, damit wir eine Schnürung einsetzen können. 

Ösen aus der Näma

Mein Kleid hat oben am Auschnitt eine goldene Ziernaht bekommen, die gleichzeitig noch den Beleg festhält. So konnte ich auf eine Steppnaht verzichten.

Zierstich mit der Näma

Anikas Cotte fehlen noch die Ärmel und der Saum.

Was bisher geschah... 

Die Überkleider kommen dann als Nächstes.

9.8.06

Puh, die Ärmel sind geschafft. Ich habe aus lockerer blauer Wolle eine Kordel gedreht, die in die genähten Ösen der Ärmel als Schnürung kommt.

Beide Ärmel sind auch schon eingenäht, jedoch ist einer mit der unteren Seite nach oben und folglich mit der Hinterseite vorn. Lol wie mir das passieren konnte..... nicht begreiflich. Also muss der wieder rausgetrennt werden.

Ausserdem war ich beim 2. Paar Ärmel viel schlauer und habe für die Schnürungen angeschnittene Belege gemacht. Bei denen dann einfach die Nahtzugabe umgeklappt und festgesteppt. Danach den Beleg umgeklappt. Feststeppen wollte ich den nicht, der wurde einfach mit den Ösen festgemacht. Dann einfach den Ärmelsaum durch den Rollsaumfuss gezogen. Bis auf ein paar unregelmäßige Ösen ist die Verarbeitung sehr schön geworden.
Bei mir sind in der einen Ärmelnaht noch ein paar Fältchen. Ich hatte es erstmal so gelassen, um fertig zu werden, aber jetzt stört es mich doch sehr, also werde ich den Ärmel noch mal abtrennen und vielleicht ein bisschen enger machen, damit er besser in die Armkugel passt.

12.8.06

Ich war nicht untätig. Der verkehrte Ärmel ist berichtigt. Alle Ärmelnäht mit der Ovi abgefahren. Die Hüften nopch verschmälert, das war etwas zuu tütig. Passt alles soweit super!  Bei Ana fehlt noch der Saum und Ausschnittbeleg.

Bin gespannt ob sie auch eine Ziernaht am Ausschnitt will... vielleicht in Silber...

 

1 Kommentar 5.8.06 14:11, kommentieren

Sari? Nein! Kaftan!!

Gestern sind wir mal wieder umhergezogen und waren das erste Mal bei Moti Mahal. Riiiieeesssiger Laden, alles funkelt und glitzert. Wahnsinn.

Kurzum wanderte ein Sari in unsere Sammlung. (Bild folgt) Aus diesem ist geplant für uns beide jeweils einen Kaftan anzufertigen. Das Vorbild dazu fand ich auf dem Mittelaltermarkt in Oranienburg. Das ist zwar Ideenklau, aber ich wills ja nicht verkaufen.

Vorgehensweise:

Person wir ab der Schulter bis zur gewünschten Länge des Kaftans ausgemessen. Z.B. 1,55m

Dann wird der Sari 1,57m ausgemessen und an der Stelle umgeschlagen, als wollte man ihn zusammenlegen. Dort wo der Sari abgeschnitten war, jetzt die andere Seite abschneiden.

Dann sollte man wissen, wie lang der Ärmelausschnitt sein soll und ob Seitenschlitze reinsollen. Alles was nicht offen bleiben soll, wir eine Handbreit neben der schönen Borte (für sehr schlanke vielleicht auch 2 Handbreit) links und rechts zugenäht. Aber Achtung: LINKS auf LINKS. Jetzt hätte ich es beinahe aus Gewohnheit auch noch falsch hingeschrieben.

Jetzt kann man aber immer noch nicht viel damit anfangen- das Ding braucht noch ein Kopfloch. Am besten weiss man bevor man schneidet was für ein Ausschnitt es werden soll und handelt dementsprechend (aaach wirklich, da wär jetzt niieemand draufgekommen) Letztlich soll der Halsausschnitt mit einem Rest des Saris (Borte oder Sari als Beleg....) gearbeitet werden.

Am Schluss kann man sich entscheiden, ob man wie dort gesehen in der Taille noch einen Tunnel für ein Zugband ansteppen will oder nicht. Über diese Schritte sind wir uns selbst noch nicht im Klaren.

9.8.06 09:40, kommentieren

Viiiel zu wenig!

 Ich muss ja mal sagen, dass ich wirklich viel zu wenig zustande bringe. Wenn man mal bedenkt, dass wir keine Kinder haben und ich nur 2x die Woche arbeite, davon träumen viele andere und kriegen trotzdem doppelt und dreifach so viel hin wie ich. Jetzt mal rein Nähtechnisch gesehen... Das KANN NICHT SO WEITERGEHEN! und das wird es auch nicht. Tschakka!

12.8.06 07:19, kommentieren